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Rudolf Steiner

 

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, wurde 1861 als Sohn eines Eisenbahnbeamten geboren und starb 1925 in Dornach in der Schweiz. Sein Werk umfasst etwa 6000 frei gehaltene Vorträge und hunderte Schriften in denen er seine Erkenntnisse der höheren Welten wiedergab. Durch seine naturwissenschaftliche Bildung, er studierte ab 1879 an der Technischen Hochschule Wien Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, konnte er Brücken zwischen materieller und geistiger Welt errichten und eröffnete die Möglichkeit, beide in einer Synthese zu vereinen.

Die Grundlagen für diese Synthese stellte er 1894 in seinem Buch „Die Philosophie der Freiheit“ „Grundzüge einer modernen Weltanschauung – Seelische Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlicher Methode„ dar. Bewusst verzichtete Rudolf Steiner hier auf alle Ergebnisse aus spirituellen Quellen und zeigte auf philosophische Weise, dass Wahrnehmung und das Finden des zugehörigen Gedankens die Grundlage unseres Bewusstseins ausmacht. Dieses gegenüber dem rein intellektuellen Begriffsdenken erweiterte, bildhafte, vom Objekt ausgehende Gedankenleben bildet für ihn das Grundelement des Erkenntnisprozesses. Dieses individuelle Denken, das Erlebnischarakter hat und vom Einzelnen eigenständig errungen werden muss ist für ihn die Grundlage der menschlichen Freiheit und auch die Grundlage jeder spirituellen Schulung. Freiheit und Erkenntnis haben ihre Wurzeln im freien, individuellen Gedankenleben.

Die Unabhängigkeit und Freiheit die aus diesem Gedankenleben resultiert ist frei von jeglichen Richtungen oder ideologischen Weltanschauungen. So stellt er in der Vortragsreihe „Der menschliche und der kosmische Gedanke“ 12 Weltanschauungsmöglichkeiten wie Materialismus, Spiritualismus, Realismus, Idealismus in ihren Zusammenhängen vor und stellt dazu fest:

„…Und nun versuchen Sie, aus dem, was jetzt auseinandergesetzt worden ist, sich ein Empfinden anzueignen für die Aufgabe, welche die Geisteswissenschaft für das Friedenstiften innerhalb der verschiedenen Weltanschauungen hat, für das Friedenstiften aus der Erkenntnis heraus, daß die Weltanschauungen miteinander, in ihrem gegenseitigen Aufeinanderwirken, in gewisser Beziehung erklärlich sind, daß sie aber alle nicht ins Innere der Wahrheit führen können, wenn sie einseitig bleiben, sondern daß man gleichsam den Wahrheitswert der verschiedenen Weltanschauungen innerlich in sich erfahren muß, um wirklich – wir dürfen so sagen – mit der Wahrheit zurechtzukommen.“

Dabei führen die Erkenntnisse, die auf der Grundlage eines freien Gedankenlebens gewonnen werden nicht aus der Alltagswelt heraus sondern bilden für Rudolf Steiner die Grundlage zu einer freiheitlichen sozialen Ordnung die ihm besonders nach dem ersten Weltkrieg ein Herzensanliegen war. Auch seine Impulse für die Landwirtschaft, die „biologisch-dynamische Landwirtschaft“ werden heute noch erfolgreich angewandt und haben sich hundertfach bewährt. Für die Pädagogik formulierte er die drei goldenen Regeln der Erziehungs- und Unterrichtskunst:

Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen – In Liebe erziehen – In Freiheit entlassen

Dogmen spielten für ihn dabei keine Rolle, es ging ihm um die freie Entfaltung der einzigartigen Individualität des heranwachsenden Kindes.

Diese Werte:

- ein freies, objektives Gedankenleben, das aus Abhängigkeiten befreit und die Individualität fördert und bewahrt

- eine richtungsfreie, friedenstiftende Spiritualität, die verbindet statt entzweit

- eine Hinwendung an den Alltag und das soziale Leben statt Weltenflucht

sind auch die Grundwerte des Vereins zur Förderung spiritueller und sozialer Kulturimpulse.