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Ein geschaffenes Werk ist immer das Ergebnis einer menschlichen Leistung

 

Allen grossen Errungenschaften, ob materieller oder ideeller Art, sind weitreichende Bemühungen, Denkleistungen und auch Entbehrungen von Menschen vorausgegangen. Eindrücklich zeigt sich dies beispielsweise bei Viktor Frankl und der von ihm begründeten Logotherapie und Existenzanalyse, die heute als sinnzentrierte Psychotherapie international anerkannt ist. Viktor Frankl entwickelte und verfeinerte diese Therapieform durch seine jahrelange empirische Forschungsarbeit und durch eine leidensvolle Zeit unter der Verfolgung der Nationalsozialisten. Er verbrachte aufgrund seiner portrait-von-viktor-frankljüdischen Abstammung drei Jahre in Konzentrationslagern und verlor seine Frau und – bis auf eine Schwester – alle Familienangehörigen.

Liest man in seinen Werken und betrachtet man die im Internet auffindbaren Videos von Viktor Frankl, so kommen seine Erscheinung sowie seine Gedanken und Schilderungen einem sehr authentisch entgegen da sie ein unmittelbarer Ausdruck seines unermüdlichen Suchens nach einer Therapie ist, die dem Menschen zu einem lebensbejahenden und freien Stand verhilft. Sein ganzes Werk ist inniglich mit seiner Person verwoben. Das angefügte Portrait von Viktor Frankl aus der ORF TVTHEK vermag dies zu verdeutlichen.

 

Unsere westliche Kultur neigt jedoch dazu in vielen Fach- und Lebensgebieten den Menschen von seinem Werk zu trennen, indem primär Methodik, Konzepte und Theorien in den Vordergrund gestellt werden. Dies zeigt sich deutlich in der Mehrzahl der heutigen Bildungsangebote. So steht beispielsweise im Jurastudium die Kenntnis der Gesetzessystematik mit all ihren Theorien und dogmatischen Lehrsätzen ganz im Vordergrund. Die Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte, welche sich durch ein tiefes Rechtsempfinden hervorheben, wie zum Beispiel die Freiheitskämpfer Nelson Mandela und Mahatma Gandhi - beide waren Rechtsanwälte - oder auch der grosse Rechtsgelehrte Rudolf von Jehring finden gar keine oder kaum Erwähnung. Die Studieninhalte bewegen sich dadurch immer mehr in einer dem wahren Menschsein entfremdeten Ebene. Die Systeme werden dadurch im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich. In der heutigen Arbeitswelt, die stark durch  Systemdenken und Strukturzwänge geprägt ist, leiden die Arbeitnehmenden immer mehr unter diesem Phänomen.

 

Theorien und Ideen können alleine kaum ausreichen, um dem Menschen neue Perspektiven zu eröffnen. Es ist primär die Verkörperung großer Ideale in einem Menschen, die im Gegenüber ein lebendiges Interesse entfacht und ihm dadurch großartige Lernschritte ermöglicht. So gibt es beispielsweise keinen schöneren Anblick, als die befruchtende Begegnung zwischen einem Lehrling oder einer Lehrtochter mit dem Lehrmeister, der in ihnen die Begeisterung für einen Beruf entfachen kann, indem er selber mit einem Feuer und einem lebendigen Fachwissen in seiner Arbeit steht.

 

Die Trennung von Person und Werk ist im religiösen oder spirituellen Bereich teilweise besonders stark ausgeprägt. Man tut sich hier sehr schwer die Persönlichkeiten, die heute oder auch in der Vergangenheit große Leistungen erbracht haben, wertzuschätzen. Man kann sich die Frage stellen, warum dies gerade in diesem Gebiet derart ausgeprägt ist. In der Suche nach einer Antwort wird man unter anderem auf die Rolle der reformierten und katholischen Kirchengeschichte der letzten zwei Jahrtausende stossen. Das Fundament dieser Kirchensysteme basiert auf Lehrgebäuden und Dogmatismus sowie auf einem hierarchischen Ämtergehorsam. Es ist primär das System und damit äußere Autoritäten welche den Menschen bestimmen.

 

Daher ist auch nicht erstaunlich, dass die Kirche wiederholt gegen Menschen vorging und vorgeht, die durch ihre gewonnen Erfahrungen und Erkenntnissen die von der Kirche vertretenen Lehrmeinungen und Traditionen in Frage stellen. Ein bekanntes Beispiel ist die Verfolgung von Galileo Galilei. Dieser wurde aufgrund seiner Forschungsergebnisse, dass die Erde um die Sonne dreht, von der katholischen Kirche der Häresie bezichtigt und exkommuniziert. Während das Mittel zur Verfolgung früher die Inquisition war, ist es heute die Sektenverfolgung. Teile der Kirchen greifen also mit ihrem äußeren Autoritätsglauben genau das an was ihnen fehlt, eine die anderen Menschen freilassende innere Autorität, die auf errungenen Erfahrungswerten basiert. Diese über Jahrhunderte gepflegte verabscheuungswürdige Praxis trägt unseres Erachtens wesentlich dazu bei, dass viele Menschen davor zurückscheuen, sich mit dem Gedankengut von Persönlichkeiten auseinanderzusetzen, die große Errungenschaften im Bereich der Geisteswissenschaft erbracht haben.

 

In den folgenden Unterseiten wollen wir auf  verschiedene Persönlichkeiten - die tragende spirituelle Gedanken in die Welt gebracht haben - hinweisen. Deren geisteswissenschaftliche Forschungsergebnisse stellen unseres Erachtens fundierte Quellen für eine vertiefte spirituelle Auseinandersetzungen dar, die wiederum wertvolle Impulse in der Welt ermöglichen.