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Spiritualität – Ein Weg von Außen nach Innen

 

Innerhalb der spirituellen Disziplin strebt der einzelne Mensch nach der Erweiterung seines Bewusstseins. Man könnte sagen, dass er die Gesetzmäßigkeiten der übergeordneten geistigen Welt erfassen will, um gleichzeitig sein Leben entsprechend den erlangten Erkenntnissen auszugestalten. Sein Interesse liegt in der Realisierung einer freiheitlichen Beziehungsaufnahme zur Welt ausgehend von objektiven und für alle Menschen gültigen Kriterien.

 

Ausgangspunkt zur Bewusstseinserweiterung – Innen oder Außen?

Der spirituell Suchende ist gleich von Beginn an mit der Frage konfrontiert, wo er mit seinen Bemühungen um eine Bewusstseinserweiterung ansetzt, damit die zunächst ungreifbare und abstrakte geistige Dimension in eine bewusste, konkrete und wachsende Erfahrung gelangen kann. Findet er umfassendere Vorstellungswelten, die profunde Antworten auf die großen und kleinen Fragen des Lebens geben, in den unbewussten Schätzen seiner Innenwelt oder in einer Bewusstseinsdimension die außerhalb von ihm liegt?

Wer die Gesetze des Lebens und der menschlichen Natur studiert und ergründet wird zum Ergebnis gelangen, dass der spirituelle Weg nur im Außen ansetzen kann. Wer die innersten Geheimnisse des Lebens entdecken will, ist aufgefordert seine eigenen Denkstrukturen und Gefühlswelten zu verlassen und sich mutig in einer freieren Bewusstseinsdimension zu gründen – sich also nach Außen zu wenden.

Es mag zunächst erstaunen, wenn die Aussage getroffen wird, dass innerhalb spiritueller Bemühungen die Aufmerksamkeit nach Außen gewendet werden soll. Sind es doch nicht wenige Menschen die sich der Spiritualität zuwenden, weil sie eben gerade in den heutigen Wissenschaften, die in ihren empirischen Methoden von den Phänomenen der äußeren Welt ausgehen, keine ausreichenden Antworten auf ihre Lebensfragen finden.

 

Notwendigkeit einer Bewusstseinserweiterung

In einem ersten Schritt erscheint es sinnvoll, auf die Notwendigkeit der Bewusstseinserweiterung, als Lernanforderung der Gegenwart gegenüber dem einzelnen Menschen einzugehen. Ein Lernen im Sinne einer Erweiterung des Bewusstseins erscheint deshalb notwendig, weil wir dadurch überhaupt erst eine Wahrnehmung für die tiefer liegenden geistigen Gesetzmäßigkeiten gewinnen können. Wie ist der Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Wahrnehmung zu verstehen? Die drei folgenden Beispiele verdeutlichen, dass wir nur dasjenige wahrnehmen, für das wir bereits eine gewisse Vorstellung und damit ein Bewusstsein ausgeprägt haben.

1.Eine Physiotherapeutin wird an einem anderen Menschen eine körperliche Fehlhaltung eher wahrnehmen als eine Friseurin. Dieser wiederum wird eine Ungleichmäßigkeit im Haarschnitt eines Mitmenschen auffallen, die Personen eines anderen Berufszweiges verborgen bleibt. Je nach beruflicher Ausbildung haben wir aufgrund unserer herangebildeten Kenntnisse und Vorstellungen für gewisse Gegebenheiten eine Wahrnehmung oder auch nicht. 2.Wenn eine Person aufgrund ihrer Lebensbiographie zur Überzeugung gelangt, dass ihre Mitmenschen ihr nicht gut gesonnen sind, wird sie ihnen tendenziell misstrauisch begegnen. Sie wird dazu neigen auch eine Person, die ihr gut gesonnen ist, innerhalb des negativ gefärbten Vorstellungsbildes wahrzunehmen. 3.Die meisten Menschen werden der Aussage zustimmen, dass das menschliche Herz eine Pumpe ist, die das Blut im Kreislauf zirkulieren lässt. Sie werden das Herz als eine solche wahrnehmen. Dies liegt daran, dass diese Vorstellung mit ihrer naturwissenschaftlichen Denkweise, die ihnen in der Schule vermittelt wurde, übereinstimmt. Die Vorstellung Rudolf Steiners, der durch seine geisteswissenschaftliche Forschungsarbeit zur Erkenntnis gelangte, dass unsichtbare von Außen wirkende Kräfte über den Blutkreislauf das Herz in Bewegung versetzen, wird ihnen fremd sein, ja eventuell auch abwegig anmuten. Sie werden das Herz daher auch nicht gleich einem Rad, welches durch unsichtbare Kräfte über den Blutfluss in Bewegung gesetzt wird, wahrnehmen.

Diese Beispiele zeigen auf, dass unsere Wahrnehmungen durch Vorstellungsbilder bestimmt und gleichzeitig auch begrenzt sind, die wir uns aufgrund von Erziehung, Bildung und Kultur angeeignet haben. Entsprechend benötigen wir für eine Ausdehnung unserer Wahrnehmungsfähigkeit der Entwicklung neuer und umfassenderer Vorstellungen, die über unser bisher entwickeltes, gewohntes und vertrautes Bewusstsein hinausgehen.

 

Loslösung von bisherigen subjektiven Bewusstseinsformen durch Innenschau?

Die Erkenntnis, dass unser Bewusstseinsverfassung – wie sie uns mit einer Fülle an Denkanstößen, Gefühlsstimmungen und Willensimpulsen im Alltag beständig begleitet – begrenzt ist, liegt den verschiedensten spirituellen Übungswegen zu Grunde.

Zahlreiche Meditationsrichtungen und Kontemplationswege streben in ihrer Übungsweise die Loslösung von subjektiven und gewohnten Bewusstseinsformen an, gleich einem Leerwerden von allen Gedanken-, Gefühls- und Willensströmen die den Einzelnen beständig gewohnheitsmäßig bewegen und umgeben. Dieser Prozess des Leerwerdens findet sich in einer sehr differenzierten Ausprägung in der Zen-Meditation. In der zeitgenössischen westlichen Form des Zen wird die Erleuchtung als eine Erfahrung verstanden, die dem Menschen widerfährt, wenn er vollkommen passiv geworden ist. Der Zen-Übende zielt darauf ab, seine vorgeprägten und gewohnten Bewusstseinsströme loszulassen, da sie ihn an dem Erkennen der Wirklichkeit hindern. Hierzu beobachtet er diese, ohne sich mit ihnen zu identifizieren und kann dadurch mit der nötigen Ausdauer und Sorgfalt einen Abstand zu ihnen gewinnen.

Die Fähigkeit sich in die Rolle eines neutralen Beobachters zu versetzten, kann als eine hohe Kunst bezeichnet werden, die auch einen großen Wert für das tägliche Leben beinhaltet. Wem es gelingt, nur schon ein Stück von sich selber, von den ständig ihn umtreibenden und automatisierenden Impulsen Abstand nehmen kann, wächst in seinem Empathievermögen und wird den Anforderungen des Lebens weitaus gerechter. So wird es ihm im Bereich der Kommunikation gelingen, aus dem bloßen Meinungskampf, der nur zu verhärteten Positionen führt, auszusteigen. Er wird durch ein waches Beobachten sich in vorschnellen Wortmeldungen zurückhalten und mit seinen Äußerungen oder Fragen zunehmend beim anderen ansetzen können, so dass ein aufbauender und weiterführender, konstruktiver Dialog entstehen kann.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob mit dieser Kunst des „Leerwerdens“ bereits eine wirkliche Bewusstseinserweiterung gegeben ist oder die erlangte Fähigkeit als erster und wesentlicher Basisschritt verstanden werden kann. Was findet der Übende vor, wenn die äußeren Bewusstseinsbewegungen zur Ruhe gekommen sind? Von welchen Einflüssen wird er weiterhin in seinem Alltag und seiner Lebensgestaltung bestimmt? Hat er durch diesen Schritt bereits seine gewohnten Strukturen, die ihn an der Wahrnehmung einer umfassenderen Wirklichkeit hindern, bereits aufgelöst?

 

Unser Unterbewusstsein bestimmt maßgeblich unser Bewusstsein

Es ist allgemein anerkannt, dass wir unser Denken, Fühlen und Wollen sowie unsere Wahrnehmung nur zu einem kleinen Anteil bewusst bestimmen. Forschungsarbeiten in Psychologie und Kommunikationswissenschaft zeigen auf, dass wir in unseren Beziehungsaufnahmen im Alltag primär durch unser Unterbewusstsein bestimmt sind. Unsere Wahrnehmungstätigkeit ist mit einem Eisberg vergleichbar. Was uns bewusst ist, ist nur dessen Spitze. Der weitaus größte Teil, das Unterbewusstsein, liegt unter dem Wasser. In einem jeden von uns schlummern unbewusste Glaubens- und Wertevorstellungen und Erfahrungen der Vergangenheit die uns bestimmen und schließlich unsere Wahrnehmungen im Alltag prägen.

Unser Bewusstsein, unsere Wahrnehmungen und in der Folge unser Verhalten sind durch unbewusst motivierte Sympathien und Antipathien geleitet. Erinnert uns beispielsweise unser Gesprächspartner – ohne dass dies uns bewusst sein muss – an einen Menschen, mit dem wir schlechte Erfahrungen gemacht haben, werden wir ihm nur schwer vorurteilsfrei begegnen können. Allzu oft wird ein ablehnendes Gefühl mitschwingen, das mit ihm nichts zu tun hat.

Unser Unterbewusstsein ist jedoch nicht nur durch die Erfahrungen der letzten Jahre geprägt, sondern durch die Lebensauffassungen und Glaubensvorstellungen der letzten Jahrhunderte. Als Beispiel einer Vorstellung, welche über die letzten zwei Jahrtausende Teil unserer Denkweise wurde, ist das Autoritätsverständnis, welches auf Formstrukturen beruht.

Ein solches Verständnis finden wir bereits im römischen Reich und wurde in den ersten Jahrhunderten nach Chr. von der römisch-katholischen Kirche übernommen. Das römische Reich war geprägt von einer buchstabentreuen und blinden Regierungs- und Verwaltungstätigkeit einer großen Beamtenschar. Nicht Reife, Weisheit, Toleranz oder andere hochstehende Werte verhalfen dem Beamten damals zu einer angesehenen Stellung in der Gesellschaft, sondern allein die Tatsache, dass er eine gewisse Stellung innerhalb des hierarchischen Verwaltungsapparates einnahm.

Es findet sich dieses Prinzip, dass Personen schon allein aufgrund von Funktion und Titeln eine gewisse Autorität zugestanden wird, noch heute im politischen, wirtschaftlichen und religiösen Leben. Die römisch-katholische Kirche beispielsweise geht noch heute davon aus, dass der Priester allein aufgrund seines Amtes und der erfahrenen Weihe dem Gläubiger die Sakramente und damit die Begegnung mit dem Göttlichen spenden kann. Welches Verständnis des Menschseins liegt hier zu Grunde? Die apostolische Sukzession entspricht einem Verständnis von einem unmündigen Menschen, denn es wird ihm das Vermögen abgesprochen, selbständig in Beziehung zur geistigen Welt treten zu können. Nur die durch den Priester der Kirche durchgeführten äußeren Rituale sollen dem Menschen zu seinem Heil verhelfen können. Nur die Kirche sei befähigt festzulegen, was Sünde sei und gleichzeitig diese zu vergeben. Eine solche Lehre beinhaltet kein freiheitliches Ideal, sondern schafft durch Macht und Kontrolle unzählige Abhängigkeiten.

Diese Art von Autoritätsverständnis, welche verschiedenste Lebensbereiche in unterschiedlichen Ausprägungen durchzieht, wird von uns in der Regel viel zu wenig hinterfragt, sondern mehr oder weniger als gegeben akzeptiert. Diese Vorstellung ist nur ein Beispiel innerhalb einer Vielzahl von Vorstellungen die uns jeden Tag auf unbewusste Weise bestimmen. Ausgehend von dieser Tatsache kann nur von einer wirklichen Bewusstseinserweiterung gesprochen werden, wenn es uns gelingt sowohl alle äußeren Bewusstseinsbewegungen als auch die unbewussten Anteile in uns mehr und mehr loszulassen und mit wahrheitsgemäßen Vorstellungen zu ersetzen.

 

Die gegenwärtige Bewusstseinsverfassung weist auf notwendigen Außenbezug hin

Diesem Ergebnis könnte nun entgegengehalten werden, dass Überlieferungen vergangener Kulturen und Einweihungswegen aufzeigen, dass es den Menschen in früheren Zeiten möglich war, sich durch eine Rückbesinnung auf ihr Innerstes mit der geistigen Welt zu verbinden. So war es beispielsweise den Yogis im Hinduismus der Jahrhunderte vor Christus möglich, sich durch bestimmte Atemtechniken in die geistigen Welten zu versenken. Damals konnte der Rückzug vom gewohnten Tagesbewusstsein – gleich einem Leerwerdeprozess –tiefere Einblicke in die geistigen Welten ermöglichen. Dies war den damaligen Menschen jedoch nur möglich, da sie noch lebendige Empfindungen über die geistigen Welten in sich trugen. Bekanntlich war für Pythagoras, der im 6. Jahrhundert vor Chr. lebte, die Wissenschaft der Zahlen ein Ausdruck der Schöpfungsgesetze der Welt und zwar nicht nur der äußeren sichtbaren Seite, sondern vor allem der geistigen und damit inneren Kräften. In der heutigen Zeit hingegen stellen Zahlen ausschließlich Zeichen für Quantitäten dar. Sie dienen dazu, Mengen beliebiger Dinge in Beziehung zu setzen und miteinander zu vergleichen.

Unsere gegenwärtige Bewusstseinsverfassung, ist nicht mehr mit derjenigen vergangener Kulturen zu vergleichen. Die damaligen Menschen verstanden und fühlten sich noch mehr als geistige Bürger. Wir dagegen nehmen uns primär als Bürger einer vergänglichen Sinneswelt wahr und verhalten uns weitgehend als solche. Sowohl unser Bewusstsein als auch unser Unterbewusstsein sind geprägt durch den Zeitgeist der letzten Jahrhunderte, in denen das Leben von der Materie und nicht vom Geiste aus gedacht wurde. Nach der Logik der bisherigen Ausführungen wird deutlich, dass das Aufsuchen von unbewussten und in verschiedenen Formen im Bewusstsein wiederkehrenden Vorstellungsbildern unser Bewusstsein nicht wirklich erweitert sondern in bereits vorhandenen Begrenzungen zurück wirft.

 

Bewusstseinserweiterung durch Hinwendung an universale Vorstellungen

Die bisherigen Ausführungen verdeutlichen, dass der spirituell Suchende bei sich und in sich nicht die tieferen Weisheiten der geistigen Welt vorfinden wird. Es bedarf daher über des „Leerwerdens“ - im Sinne eines Schweigens aller äußeren Bewusstseinsbewegungen – hinaus, eines Loslassens von unbewussten Anteilen, die uns maßgeblich bestimmen. Wir stehen vor der Herausforderung neue und umfassendere Bewusstseinsformen zu ergreifen, die in uns selber noch nicht gegründet sind.

Der bekannte Psychoanalytiker, Fritz Riemann, äußerte einst, dass der Mensch sich bewusst machen sollte, dass seine Denkweise nur eine unter anderen möglichen ist, mit der er auf Grenzen stößt, die eine andere Denkweise vielleicht überschreitet. Jeder von uns dürfte aufgrund von Begegnungen mit anderen Menschen schon vielfach zu neuen Sichtweisen gefunden haben, die er bei sich bisher nicht kannte. Indem wir unsere Aufmerksamkeit aktiv auf andere und freiheitlichere Denkweisen, die außerhalb von uns liegen, richten und uns intensiv mit ihnen befassen und in der Folge aufnehmen, haben wir die Möglichkeit unsere eigenen Unzulänglichkeiten und Begrenzungen aufzulösen.

Die Denkweise eines anderen Menschen die universaler Natur ist und mit Wahrheitsempfindungen einhergeht kann als ein „Außen“ bezeichnet werden. Indem wir uns mit einer derartigen universalen Denkweise - sei dies in geeigneten Schriften oder bei einem noch lebenden Menschen – länger und mit Sorgfalt beschäftigen, werden wir selber zunehmend von universalen und damit objektiven Gedanken ausgehend zu denken beginnen, mit der Zeit tiefere Wahrheitsempfindungen kreieren und schließlich Handlungen vollbringen, die in Einklang mit einer größeren Ordnung stehen, die für alle Menschen gleichermaßen gilt.

Diesen Ansatz finden wir beispielsweise in der Praxis der Schriftmeditation wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder an Bedeutung gewann. So bezeichnete Dietrich Bonhoeffer, die Schriftmeditation als Kristallisationspunkt alles dessen, was innere und äußere Ordnung in sein Leben bringe. Der Text war für ihn nicht nur Ausgangspunkt für die Meditation, sondern die Meditation blieb für ihn an den Text gebunden. Er empfahl eine ganze Woche bei einem kurzen ausgewählten Text zu verweilen, zum Beispiel durch Wiederholung des Textes oder eines Wortes, durch das Niederschreiben von Gedanken oder durch das Auswendiglernen der meditierten Verse. Man solle sich ohne Textanalyse unmittelbar vom Gelesenen ansprechen lassen und es in sich nachklingen lassen. Auf einer ökonomischen Konferenz im Jahre 1932 äußerte Bonhoeffer: „Wir haben unsere eigenen Gedanken lieber als die Gedanken der Bibel. Wir lesen die Bibel nicht mehr ernst, wir lesen sie nicht mehr gegen uns, sondern nur noch für uns.“ (Bild: Am Westportal der Westminster Abbey in London befinden sich Statuen von 10 Märtyrern des 20. Jahrhunderts; darunter auch die des Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im zweiten Weltkrieg in der Widerstandsbewegung gegen Hitler kämpfte.)

Wer einen objektiven Gedanken in ersten Ansätzen kennen lernt, wird beginnen ihn im alltäglichen Leben zu erforschen und zu erproben. Je mehr er den Wert entdeckt, den dieser für Mensch, Gesellschaft und Natur besitzt, desto mehr wird er das Bedürfnis haben, den Gedanken in sinnvoller Weise durch geeignete Themen und Inhalte für weitere Menschen zur freien Verfügung zu stellen. Die Erfahrungen zeigen, dass es in erster Linie diese zu dem Mitmenschen gerichtete Bemühungen sind, die tiefere Gedanken und Empfindungen im geistig strebenden Menschen solide und tief gründen lassen.

Im Verlaufe spiritueller Bemühungen wird zunehmend offenbar, dass von wirklicher Spiritualität nur gesprochen werden kann, wenn einzelne Menschen die großen Wahrheiten des Lebens nicht nur für sich und ihr persönliches Wohlergehen aufsuchen, sondern ihre Suche mit Aufgaben im äußeren Leben verbinden. Die Entwicklung des Einzelnen kann nicht isoliert von seiner Umwelt und seinen Mitmenschen erfolgen. Auch in diesem Zusammenhang kann der Blick wiederum auf Dietrich Bonhoeffer gerichtet werden. Sein Leben zeigt eindrücklich, wie spirituelle Übung und Alltag – bei ihm sein furchtloses Wirken gegen den Nationalsozialismus im Dritten Reich – sich gegenseitig beleben und befruchten.

Dieses lebendige Erforschen und praktische Realisieren von universellen Gedanken kann als eine behutsame Bewusstseinserweiterung bezeichnet werden, denn sie vermeidet jegliches unnötige Aufwühlen von alten Problemen und Traumen. Vielmehr führt sie beim Einzelnen zu tiefgreifenden Veränderungen in verantwortungsvoller sowie in die Persönlichkeit schützender und fördernder Weise zugleich.

Die verschiedenen Gesichtspunkte dieser Ausführungen zeigen auf, dass ausgehend von unserer heutigen Bewusstseinsverfassung der Ansatz spiritueller Bemühungen  im Außen liegt. Dieses Außen bezieht sich dabei auf zwei Aspekte: Es handelt sich einerseits um die Anknüpfung an zunächst unbekannte universalen Gedanken und andererseits um die Verlebendigung und Weiterentwicklung dieser Gedanken im alltäglichen sozialen Leben.